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Die Mohrrübe: Das Lebensmittel, das keines ist

Jeder kennt sie. Man findet sie überall auf Straßen- und in Supermärkten. Und sie ist orange.
Obwohl man Gefahr läuft, sich als Trendhure bezeichnen lassen zu müssen, weil Themen um Ernährung derzeit so wahnsinnig en vogue sind, möchte ich heute mit einer echten Lebensmittellüge aufräumen.

Wer zur Hölle hat gesagt, dass man Mohrrüben essen kann?

Tatsächlich gibt es mehrere Indizien, die die Eignung der Daucus carota subsp. sativus), auch bezeichnet als Möhre, Mohrrübe, Gelbrübe, Gelbe Rübe, Rüebli, Riebli oder Wurzel zum menschlichen Verzehr zweifelhaft erscheinen lassen.
Zum einen ist es ihre Farbe. Bekanntermaßen versucht die Evolution, Tieren und Pflanzen, die einen Nährwert für potentielle Fressfeinde aufweisen könnten, entweder eine unauffällige Färbung, ein mehr oder minder starkes Gift oder aber einen widerwärtigen Geschmack mit auf den Weg zu geben. Da offensichltich die ersten beiden Punkte nicht zutreffen (zumindest weiß ich nicht, auf welchem Planeten Orange eine Tarnfarbe sein soll, und von einer außerirdischen Herkunft scheint die Wissenschaft ja nicht überzeugt zu sein, wenn man es noch für nötig hält, auf dem Mars nach Mikroben zu suchen), bleibt ja nur der Geschmack übrig. Und anscheinend bin ich der einzige, dem er auffällt!

Dann die Konsistenz. Sie erinnert am ehesten an einen Polizeischlagstock, was ihren Verzehr für sehr junge und sehr alte Menschen und für solche mit einem nur leicht überdurchschnittlich zuckergeschädigten Gebiss nicht nur unattraktiv, sondern schlicht unmöglich macht.
Filmisch wird dies aufgearbeitet im Film Shoot ‚em up, in dem Clive Owen mehrfach nur mit der bunten Todesrübe seine Gegner überwältigt. Dass er hinterher oft davon abbeißt darf man wohl unter Vernichtung von Beweismitteln verbuchen.

Es gibt also schlicht keinen Grund, Karotten zu sich zu nehmen, wenn man nicht gerade ein Vorkoster für teure Zuchtpferde ist. Eines der klassischen Pro-Möhre-Argumente ist daher, dass sie reich an Ballaststoffen sei – aber das trifft schließlich auch auf Spanplatten zu. Wie kam man überhaupt darauf, dass man die Dinger (Möhren, nicht Spanplatten) essen kann?

Ich habe eine Theorie.

Im ausgehenden Mittelalter, zur Hochzeit der Hanse, erfuhr die europäische Schiffahrt großen Vorschub. Man war allerdings weder in der Bekämpfung von inneren wie äußeren Schädlingen an der Schiffshülle besonders weit noch in der Entwicklung von Dichtungsmitteln, die im Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Dichtungskraft besonders gute Werte erzielt hätten und die zudem bei Defekten auf hoher See anzuwenden waren. Die Form der Möhre jedoch brachte die Seefahrer jener Zeit auf die Idee, einen Vorrat von ihnen, in einem Gefäß voll Erde wachsend und so stets frisch, auf lange Reisen mitzunehmen. Bei einer weiten Überfahrt, bei der eine Dichtung aus Teer unterhalb der Wasserlinie dem Salz nachgab, konnte man so eine Rübe zuschneiden und das Leck abdichten. Und zwar von innen.

Nun sind damals mehr Schiffe verloren gegangen als heute. Das hat mehrere Gründe, vor allem aber war man abhängig vom Wind und die Werkstoffe waren kein Vergleich zu den heutigen. Es muss furchtbar gewesen sein, mitten in einer Flaute zu sitzen, um sich herum nichts als Wasser, während die Kameraden Mann für Mann an Hunger und Durst starben. Mehrere Schilderungen gibt es, nach der sich die Seeleute aus purer Not gegenseitig verspeist haben sollen.
Eine geistig bereits besonders arme Mannschaft muss begonnen haben, das Schiff anzunagen, auf dem sie sich befand.
Ganz zum Schluss, als nichts mehr übrig war von den vergleichsweise bekömmlichen Tauen, Beschlägen und Segeln, haben die Seeleute dann angefangen, ihr Dichmaterial zu kosten. Das in der Karotte befindliche Wasser scheint die Matrosen zumindest lange genug am Leben erhalten haben, damit sie an Land gehen und ihre Geschichte erzählen konnten.

Die Geschichte der Karotte ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Dinge wie Fensterkitt oder Kerzenwachs isst man in einer Wohlstandsgesellschaft doch schließlich auch nicht.

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… scheint ja nicht so eingetroffen zu sein.

Gut, in den letzten zwei Stunden bin ich dann wohl de facto widerlegt worden damit, dass Wulff BILD gar nicht gedroht hat und die nur hoch pokern, um ihn mit einer Andeutung in den Abgrund zu stoßen. Das ist zwar immer noch nicht ausgeschlossen (das ist es erst wirklich, wenn die Originaltondatei vorliegt), aber nicht gerade plausibel. Dass Wulff der Veröffentlichung der Mailboxaufzeichnung seines Anrufes bei Diekmann widersprochen hat zeigt also am ehesten, dass er die Spielregeln einfach nicht begriffen hat oder genauer, noch viel viel tiefgreifender missversteht als bisher klar war und was er für ein unfassbar dünnes Fell hat.

Immer noch bemerkenswert, nur nicht mehr deckungsgleich mit meiner Theorie. So wirklich schade finde ich das allerdings auch nicht. So hat Wulff endlich den hoffentlich letzten Nagel in seinen Sarg geschlagen, mir gefällt diese Variante tatsächlich besser.

Einige Kommentatoren unken ja bereits, Wulff werde sich wohl mit einer Gedächtnisschwäche zu retten versuchen. Wer also noch ein paar Gedächtnispillen, z.B.  aus elterlicher Hand oder so herumliegen hat, der findet auf den Briefköpfen der diversen kursierenden echten wie falschen Schreiben ans Schloss Bellevue derzeit eine lohnende Adresse für ein Carepaket.

Ein Beitrag zum Theorienpool um die Affäre Bild/Wulff

Wenn ich mir das Gebaren unseres (Noch-)Präsidenten, insbesondere in seinem gestrigen TV-Interview so ansehe, dann finde ich den Gedanken nicht besonders einleuchtend, dass er sich der Komplikationen nicht bewusst gewesen sein soll, die seine scheinbar offensichtliche Lüge im Zusammenhang mit dem Inhalt seiner Mailboxhinterlassenschaften bedeutet hätte.

Er muss doch schlicht gewusst haben, dass BILD eine solche Steilvorlage zur Auflagensteigerung nicht ungenutzt wird verstreichen lassen. Die gedankliche Alternative also ist, dass ein Mann, der nur bis zum nächsten Morgen planen kann, es bei uns bis ins höchste Amt geschafft haben soll, beziehungsweise ebendieser unter einem geradezu desaströsem Realitätsverlust leidet.

Oder?

Ich sehe eine dritte Möglichkeit, die aber natürlich auch nicht mehr ist als die wilden Spekulationen verganener Tage in Bezug auf den Wahrheitsgehalt diverser Wulff-Aussagen.

Was nämlich, wenn Wulff gar nicht gelogen hat, bei Diekmann also wirklich nur einen Aufschub erbitten wollte?

Die BILD könnte hier einfach hoch pokern und das Vorhandensein einer kompromittierenden Nachricht auf Diekmanns Mailbox nur vortäuschen. Warum sonst sollte sie auch erst die Frage nach Wulffs Einverständnis vorausschicken, und dazu auch noch öffentlich, anstatt in diesem bereits hinreichend aufgeheizten Klima gleich den konkreten Inhalt der Nachricht zu veröffentlichen? Öffentlichkeit hat der Fall jetzt bereits mehr als genug. Dass Wulff eventuell allerdings noch Trümpfe gegen Springer in der Hand hält, glaube ich noch nicht einmal so lange wie dieser sich selbst.

Auf einmal ergäbe das Verhalten Wulffs, so ungern ich das sage, Sinn, denn die letzte Gelegenheit zum Rückgewinn eines letzten Restes Glaubwürdigkeit so leichtfertig auf Kosten von relativer Ruhe bis zur nächsten Aktion der Presse zu verspielen traue ich auch ihm nicht zu.

Seine Glaubwürdigkeit ist ruiniert, BILD steht da in diesem Falle deutlich besser da. Niemand glaubt Wulff jetzt noch, der Inhalt der Nachricht sei nur die Bitte um Aufschub gewesen, und vielleicht legt man es im Hause Springer nämlich darauf an, um die Veröffentlichung der Nachricht selbst oder ihres Transkriptes herumzukommen, weil Wulff sich selbst bereits genügend demontiert hat und die bloße Andeutung, es sei um etwas anderes als Aufschub gegangen, bereits alles sagen könnte.

Wie gesagt, das ist bloß eine Theorie, und die Realität wird sie womöglich falsifizieren, spätestens, wenn die echte Audiobotschaft Wullfs auf Diekmanns Mailbox im Netz landet.

Aber bis dahin darf man ja vielleicht ein bisschen grübeln und bisweilein auch spinnen.