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Dropbox! Was erlaube?!

Ich bin ernsthaft sauer. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich dazu hinreißen lassen, mir endlich einen Dropbox-Account anzulegen. Und meine Begeisterungskurve stieg zunächst auch rasch an: Ich zwar zunächst vorsichtig skeptisch, fasste dann Vertrauen, plötzlich wurden mir 50 Gigabyte Speicher „geschenkt“ (zeitlich begrenzt für zwei Jahre, aber immerhin), und von da an war ich anhaltend begeistert.

Neulich wollte ich dann Videoaufnahmen von einer Veranstaltung – selbst gefilmt, nicht was ihr denkt – mit einem anderen Filmer teilen und dachte an meine Dropbox. Insgesamt kamen knapp 20 Gigabyte zusammen, deren Upload natürlich eine ganze Weile dauerte, dank der recht vernünftigen Leitung bei mir zuhause aber zu bewerkstelligen war. Gestern verschickte ich endlich den Link zu dem Ordner, und jetzt bekomme ich diese Mail von Dropbox:

„Hallo XXXXX,

diese E-Mail ist eine automatische Benachrichtigung von Dropbox. Deine öffentlichen Links wurden aufgrund zu starken Netzverkehrs zeitweilig deaktiviert. Deine Dropbox funktioniert weiterhin wie gehabt, mit Ausnahme von öffentlichen Links.

Dabei handelt es sich um eine vorübergehende Deaktivierung (3 Tage beim ersten Mal).

Wende dich an den Dropbox-Support, falls du Fragen hast.

– Das Dropbox-Team“

Äh – wie bitte? Meint ihr das ernst? Hallo-ho! Ihr bei Dropbox findet es also nicht gut, wenn man euren Dienst auch nutzt? Aha! Wofür sonst haben die Leute eure Software wohl installiert?! Kleiner Tipp: Ich kenne niemanden, der mit Dropbox versucht hätte, Kuchen zu backen. Ick flippe! Ich lege meine Dateien doch nicht in einem unverschlüsselten Cloudspeicher ab, damit ich sie niemandem schicken kann!
Geht da etwa irgendsoeine Mischkalkulation nicht auf?! Nochmal, für die hinteren Ränge da bei euch im Laden:
Eure einzige Dienstleistung ist das Bereitstellen von Onlinespeicher und das Verfügbarmachen desselben für andere! Wenn ihr mir 50 GB zuweist, ich die noch nicht mal zur Hälfte voll habe und diese dann teile – was zur Hölle soll dabei das Problem sein?! Ich bemühe mal das für Internetvergleiche so gern genommene Bild des Postverkehrs: Wäre die Dropbox ein Paketzusteller, dann hättet ihr gerade einem Kunden seine Sendung vor die Füße gekippt, weil er zu viele Pakete bei euch verschickt hat. Sagt mal, pennt ihr im Schrank oder was?!?

… nachdem ich jetzt meine Pillen genommen habe, muss vielleicht zunächst mal ein klein wenig relativieren: Ich habe Dropbox nicht nur auf einem Rechner und nicht nur einem Betriebssystem installiert, sondern betreibe mehrere Instanzen. Auf alle wurde das Videomaterial gesynct, da ist also tatsächlich Traffic in signifikanten Mengen über eure Leitung gelaufen. Das Problem betrifft aber, laut Eigenauskunft, die öffentlichen Links, und die Mail kam auch erst in zeitlich eindeutiger Nähe zum Teilen des Videomaterials. Wo ist dabei denn das Problem?
Sollte es für einen Anbieter mit einem solchen Vorwärtsdrang wie dem euren („Wirb‘ alle Deine Freunde, damit Du mehr Speicher bekommst!“) also etwa allen Ernstes ein Problem sein, wenn die angebotenen Kapazitäten eingefordert, die Services beansprucht werden? Ihr habt euch ja bereits einiges geleistet, aber dass ihr Kunden, die nichts weiter tun, als euren Dienst in der von euch angebotenen Weise zu benutzen, so daran hindert, die angebotenen Kapazitäten auszureizen, finde ich, in einem Wort, dreist.
Ach so, ich bezahle ja gar kein Geld – ich bin ja gar nicht der Kunde, sondern das Produkt, richtig? Mh? Das hält euch natürlich nicht davon abn, mich und eure anderen „Nutzer“ zu eurer Drückerkolonne zu machen, die euch mehr User-Vieh in die Arme treiben soll.
Und dann diese implizite Drohung: „3 Tage beim ersten Mal“ – da hätte genausogut stehen können „Wenn Du nochmal auf die Idee kommst, Deinen Speicher so zu benutzen wie Du das möchtest, löschen wir ihn Dir einfach. Geh‘ doch auf der Autobahn spielen, wenn’s Dir nicht passt.“
Vorher eine Email zu schicken war wohl zuviel? Es soll ja Leute geben, die ein Einsehen mit den Betreibern kostenloser Dienstleistungen haben. Aber nein, lieber gleich unangekündigte Sanktionen wegen etwas, das man als normaler Mensch nicht als Problem aufgefasst hätte.
Ganz so als wäre von heute auf morgen verboten, auf der Straße zu essen, das nicht anzukündigen und dann Leute dafür zu verhaften. Boah.

Mir fallen auf Anhieb auch nur zwei andere Firmen ein, denen man nachsagt, in ähnlich offensiver Weise keine Lust auf ihren Job zu haben bzw. von ihm überfordert zu sein, und das sind einerseits die Telekom (will nicht arbeiten) und andererseits die Deutsche Bahn (kann nicht arbeiten). Beides Überbleibsel eines ehemaligen Staatsmonopols – strebt ihr so eine Marktposition an?
Das wird euch so aber nicht gelingen: Man muss erst allein auf einem Markt sein, um dann völlig inkompetent und/oder asozial zu werden!
Und allein seid ihr auf eurem Feld nun mal nicht: Sobald ich nicht mehr mit Macs arbeiten muss, steige ich bei euch aus und z.B. auf Ubuntu One um. Da soll ruhig Ruthenisches Salzkraut durch eure verwaisten 50 Gigabyte wehen, denn wenn ich die nicht so nutzen kann wie ich das will, dann brauche ich die auch nicht, dann ist euer Alleinstellungsmerkmal dahin. Oder falls mir nur solche Businessgesichter zulesen, die Beratersprech für normales Deutsch halten: Eure Unique Selling Proposition. Ja, auch ich weiß, was das ist, dafür braucht man kein abgebrochenes BWL-Studium.
Wie habt ihr diese 50 GB-Aktion eigentlich geplant? Ich stelle mir das ja so vor, dass die genannten Business-„Experten“ sich die Nummer ausgedacht haben, ohne vorher die Tekkies zu fragen: „Und was machen wir, wenn die Leute das auch so benutzen?“ – „Hm, keine Ahnung. Sagt ihnen, dass die das nicht machen dürfen. Ach was, sperrt ihnen einfach irgendwas. Nur nicht das Hochladen.“
Ganz großes Facepalm, ihr Spezies! m(

Wer sich auf die Fahnen schreibt, alles sei super einfach, wenn man nur die angebotene Dienstleistung benutzt und dafür die persönlichen Dokumente, Dateien und weiß der Henker was die Leute alles bei euch ablegen, entgegen nimmt, und es dann sein Versprechen nicht hält – dessen „Kunde“ will ich nicht länger sein. Bietet doch einfach nichts an, das ihr nicht abliefern könnt. Wenn eure Kunden im Zahlungsverzug sind, knipst ihr garantiert irgendwann auch den Account aus.
Oh, und glaubt bloß nicht, dass ich euch auch noch helfe, indem ich eurem Support ein kostenloses Kundenfeedback frei Haus liefere. Ich habe keine Lust, auch noch einem schlecht bezahlten Studenten mit diesem Thema seinen Arbeitstag zu vermiesen und euch die Recherchearbeit zu ersparen. Wenn ihr meine Meinung wissen wollt, müsst ihr schon zu mir kommen. Hierher.
Ich hoffe, das hier lesen ein paar Leute und melden sich daraufhin bei euch ab, oder noch besser, gar nicht erst an. Denn ihr seid ein wundervolles Beispiel dafür, dass man sich nicht vollständig an einen kommerziellen Anbieter hängen sollte, der einem für seine Dienstleistung (in mir sträubt sich etwas mehr und mehr, dieses Wort im Zusammenhang mit Dropbox zu benutzen) seine Bedingungen aufoktroyieren kann. Wahrscheinlich habt ihr euer Verhalten aber sogar in euren Geschäftsbedingungen irgendwo abgesichert, die wie bei allen anderen Serviceanbietern bewusst in Überlänge konzipiert sind, damit sie keiner liest. Da helfen nur Dienste wie Terms of Service Didn’t Read, ein crowdbasierter Analysedienst für AGBs. Der ist aber leider englischsprachig und da hat Dropbox zu meiner Überraschung auch noch eine recht gute Note. Wer sich nun aber beflissen fühlt, das zu ändern, los gehts. Ansonsten mache ich das irgendwann mal selbst, ich habe demnächst Urlaub.
Ja, das ist eine Drohung.

Für alle anderen Betroffenen bleibt nur der Tipp mit Ubuntu One. Auch dahinter steht ein Unternehmen, aber auch nicht Google oder Apple, und die sind auch noch Sponsoren einer Linuxdistribution – der Usergängelung also zunächst erst einmal unverdächtiger als die Mitbewerber. Ubuntu One läuft nur leider nicht unter Mac OS.

Abschließend möchte ich noch einmal laut rufen: Pfui, Dropbox! So geht’s nicht.

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Widerrede gegen den Rant des Sven Regener

Es geht gerade ein Rant von Sven Regener durch die Netzwelt, in dem er sich über die vermeintliche Umsonstkultur des Internets aufregt und der sogar von einigen Kreativen weiterverbreitet wird, vermutlich, weil sie ihn auf ihrer Seite wähnen.

Über das Unwort der Umsonstkultur haben sich bereits begabtere Schreiber als ich echauffiert und er nennt es auch nicht explizit.
Trotzdem regt sich in mir unbändiger Widerspruch gegen das was er sagt, und ich möchte einmal versuchen zusammenzufassen, worum es mir geht.
In chronologischer Reihenfolge:

1.) Man kann sehr wohl auch ohne Verträge Musik machen. Ob man davon leben kann ist eine ganz andere Sache, aber gerade Subkulturen sind traditionell Innovationsmotoren und hier sind Verträge, von denen Künstler sich ernähren können, schon immer die Ausnahme gewesen.

2.) In Supermärkten wird natürlich geklaut, wenn man dabei nicht erwischt wird – sogar, wenn man doch erwischt wird. Das will ich nicht schönreden. Ich nehme aber außerdem an, Herr Regener schließt auch beim Verlassen der Wohnung seine Tür ab und weint sich nicht in den Schlaf ob der Tatsache, dass er andernfalls wohl bestohlen würde. Dass eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, nichts wert sei, ist dann dann wohl schon länger der Fall und kein Phänomen der Internetzeit und damit kein Anlass zur Beschwerde über den Mangel an Moral und Anstand.

3.) Ich will um Gottes Willen in Zukunft nie wieder die gleiche Musiklandschaft vorfinden wie wir sie jetzt haben und noch weniger wie wir sie vor zehn Jahren hatten, in der Innovationen stets hinter marktwirtschaftlichem Erwägungen zurücktreten musste und es bis heute muss.

4.) Für Leute zwischen 15 und 30 gibt es allerdings endemische Musik. Zumindest im Sinne von „ausschließlich in einem bestimmten Gebiet vorkommend“, wie Wiktionary es definiert. Entweder kennt Regener das Wort endemisch nicht oder hat noch nie z.B. von Dubsteb gehört. Erneut möchte ich den Blick auf die Subkulturen lenken: Den sog. Viking- oder Paganmetal hören beispielsweise fast ausschließlich Menschen der erwähnten Altersklasse. Ob die Vertreter dieser Richtung aber auch vor 20 Jahren von einem Plattenvertrag die Miete für ihren Proberaum hätten bezahlen können, ist unbewiesen.

5.) Die kleinen Bands mit dem erwähnten studentischen Zielpublikum sind wahrscheinlich im Selbstvertrieb und spielen Gigs, anstatt sich um Plattenverträge zu kümmern, würde ich vermuten. Jedenfalls kenne ich genügend solcher Truppen.

6.) (Etwas polemisch) Wer nicht uncool dastehen möchte, der soll sich nicht uncool verhalten, z.B. indem er andere kriminalisiert.

7.) Google und Youtube haben nichts Eigenes zu bieten, sondern nur das, was andere gemacht haben? Abgesehen von der Fragwürdigkeit dieser Aussage, was unterscheidet sie damit von einem durchschnittlichen Label? Dass das ein Riesenkonzern ist, stört bei den Big Playern der Rechteverwerter ja anscheinend auch niemanden.

8.) Ich bin nicht einverstanden mit der Formulierung „Wir [(gemeint: die die Musiker)] sind die GEMA!“.
Ich habe auch einmal ein paar kleine Auftritte gespielt und war stets völlig entsetzt, wie man sich als kleiner Künstler dagegen wehren muss, dafür auch noch selbst Geld zu bezahlen, anstatt welches zu erhalten.
Wer selbst öffentlich auftreten möchte und eine GEMA-Abgabe zu zahlen hat, muss sich selbst als Nichtmitglied erst einmal ca. 50€ erspielen, die dann komplett an diese Gesellschaft gehen. Aus diesem Topf werden die Ausschüttungen an die Künstler bezahlt, die den Sprung in den Mainstream geschafft haben. Die GEMA ist also zunächst einmal wenig mehr als ein Schutzwall der Großen gegen die Kleinen, in anderen Industrien scheut man sich aber an der Stelle irgendwie nicht, von Mono- bzw. Oligopolbildung oder -erhaltung zu sprechen.

9.) Dass die Künstler nichts abbekommen von den Umsätzen bei Youtube, liegt zu nicht unwesentlichen Teilen auch an der GEMA, die keinerlei Kompromissbereitschaft bei Verhandlungen mit Youtube gezeigt hat. Sich darüber zu beschweren, die Künstler seien hierbei erstmalig „die Penner aus der letzten Reihe“, ist außerdem einigermaßen absurd angesichts der Anteile am Erlös eines Tonträgers, die an den Künstler gehen. Die waren schon immer verschwindend gering.

10.) Es ging nie darum, die Künstler aus der Verwertungskette zu nehmen, in diesem Falle leiden die nur als erste darunter (warum wohl?), doch die Musikverlage schreien meist lauter. Er sagt ja selbst, dass im Netz auch Geld zu verdienen ist (99 Cent pro Song, offensichtlich bezieht Regener sich auf iTunes), warum also dieses Herumgerattere gegen Youtube, wo man als Künstler nicht den geringsten Aufwand hat, gehört zu werden? Als die ersten Radiosender aufmachten, haben sich die Tonträgerhersteller auch erst gewehrt, bevor sie sich bei den Stationen angebiedert haben; nur dass bei Youtbue & Co. die Sendezeit komplett unbegrenzt ist.

Den Rest kommentiere ich mal nicht, ein kopfloser Schütze kann nur schlecht einen gezielten Schuss abgeben, und so geht meiner Ansicht nach die Kritik an der Piratenpartei an deren eigentlichen Inhalten völlig vorbei. Ungeachtet dessen, dass Herr Regener mich als Deppen bezeichnet, weil ich das Monopol derer nicht bezahlen möchte, die ihm seine Anteile ausschütten.

Dass man die Element Of Crime nicht bei Youtube findet, stimmt außerdem so auch nicht. Für die Songs muss man also nicht zur Homepage der Band surfen. Seine Musik ist also im Netz, ob er will oder nicht, und das Aufbäumen dagegen, indem er die offiziellen Videos nicht bei Youtube einstellt, ist in meinen Augen ein fruchtloser Versuch des Widerstandes gegen eine Veränderung, die man nicht aufhalten kann und auch nicht muss, wenn man nur lernt, mit ihr umzugehen.

Das Geschäft mit der Musik hat einige Jahrzehnte lang eine Hand voll Leuten sehr reich gemacht, doch wie bei allem, was das Netz trifft, gibt es auch hier kein Patentrezept gegen die Dezentralisierung, die es mit sich bringt, und das Geld, das Leute früher in Platten investiert haben, wird in Zukunft vielleicht über Micro-Payment direkt an die Künstler gehen. Das vielzitierte Web 2.0 löst nun mal die Grenzen zwischen Produzent und Konsument auf, da kann man drüber weinen oder sich damit abfinden. Ich verstehe, wenn Einzelne sich über ihre Verdienstausfälle beklagen und auch Sven Regeners Anlass zur Kritik ist ja nachvollziehbar, der Mann hat schlicht Angst um seine Existenz, aber sein Zorn richtet sich gegen die falschen Leute. Nicht die Kunden haben die Entwicklung verschlafen, sondern die Anbieter. Und zwar in diesem Falle zu Ungunsten der Künstler.
Gerade aber in Zeiten, in denen jeder für ein paar hundert Euro zuhause technisch wie künstlerisch mehr oder weniger nomgerechte Musik erzeugen kann (und dafür auch kein Instrument mehr spielen oder richtig gut singen können muss), sollte sich der Berufsmusiker die Frage gefallen lassen, ob er es sich leisten möchte zu sagen „ich will aber keine Straßenmusik machen“.
Ich will auch das ganze Jahr in Shorts und Shirt durch die Gegend laufen, aber wenn es kalt wird, ziehe auch ich eine Jacke an.

Die Analyse kann hier nicht mit einem so kurzen Fazit beendet werden wie bei einem Frankfurter Tatort: Es ist nicht einfach immer die Gesellschaft schuld.
Und spätestens wenn einem dann auf einmal die JungLiberalen zustimmen sollte jeder merken, dass er Unsinn geredet hat.

Wetten Dass… NICHT!

Für gewöhnlich halte ich mich aus solchen Personaldebatten ja heraus. Aber heute kann ich nicht an mich halten! Markus Lanz als Moderator bei Wetten Dass…? ?!

Ich weiß noch nicht einmal besonders viel über Markus Lanz und Wetten Dass und halte doch den Posten des Moderators für mit ihm so falsch besetzt wie mit, sagen wir mal, Martin Keseci als Generalersatz für Jürgen Fliege.
Ich finde zwar überhaupt nicht, dass Wetten Dass ein so unfassbar modernes, kontroverses und innovatives Format wäre, aber Markus Lanz? Dieser Mann ist nun wirklich konservativer als sein eigener Anzug.
Kein Mensch weiß, was der da soll, er bringt weniger eigene Note mit als ein Glas lauwarmes Wasser und wird wohl auch bei Wetten Dass immer wahnsinnig ernst und betroffen gucken, wenn mal wieder ein gebeuteltes Mitglied der Gesellschaft vorgestellt wird und brav strahlen, wenn Mario Barth seine neuesten Witzkonserven abfeiern darf. Mal sehen, wieviel proaktives Duzen wir demnächst auf der Bühne des ZDF erleben dürfen und ob es irgendjemandem auffallen wird, dass Wetten Dass hiermit die Chance auf einen neuen, ja womöglich auf überhaupt irgendeine Form von Charakter aus der Hand gibt.

Man darf den ja mögen, sympathisch finden oder auch nicht, das ist mir egal. Wenn sich unser Öffentlich-Rechtliches Fernsehen allerdings so die eigene Verjüngung vorstellt, dann bleibe ich auch in Zukunft beim Zappen nicht bei Wetten Dass hängen und gucke lieber Harald Schmidt im Privatfernsehen, trotz Werbung und nachlassendem Biss.

Markus Lanz, das ist ein Typ, von dem ich mir gut vorstellen könnte, dass meine Großmutter den nett gefunden hätte. Ja, ich glaube, das kann man sagen: Markus Lanz ist NETT, und zwar in jeder Ausprägung dieses Wortes. Und zwar nicht, weil er keine Charakterbrille trägt und keine Tätowierungen hat, aber die Abwesenheit von Ecken und Kanten verhindert doch jegliche Verwirbelung der durch seine Gegenwart geblasenen heißen Luft.
Lanz trennt Generationen, will mir scheinen, man muss offenbar etwas über 35 sein, um den gut zu finden. Man könnte hier vielleicht von einer „Lanz-Grenze“ sprechen.

Vielleicht kann man es ja auch auf eine viel kürzere Formel reduzieren:
Was ist denn bitte noch uncooler als Markus Lanz? Außer der Jungen Union.