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Querpost: Hape Kerkeling Best Of Spezial

Ich habe gestern mal wieder ein kleines Video geschnitten. Heute stelle ich es ins Blog, damit es gut wiedergefunden werden kann.

 

Es ist etwas mehr als das, was der Titel verspricht. Guckt es bloß zuende, aber ich will euch die Überraschung nicht verderben. Viel Spaß. 😉

Hamburgs Innensenator Neumann und die Welten, in denen seine Wähler leben

Werter Herr Neumann!

Ich versuche mich mal an einem Satz, den die Springerpresse so ähnlich vielleicht von sich geben würde:

„Hamburger Innensenator dreht frei!“

Persönlich habe ich, trotz durchaus stattfindenden Konsumes Hamburger Medienerzeugnisse, von Ihnen bisher nicht allzuviel wahrgenommen, was Ihre Arbeit eigentlich in ein eher besseres als schlechteres Licht rückt. Doch was Ihnen da in den Kommentaren zu Ihrem eigenen Blog aus der Feder fließt lässt mich hoffen, dass Sie einfach einen schlechten Tag hatten. Immerhin war es noch früh, als Sie zum ersten mal zulangten.

Da hier ein Impressum vorliegt, könne Sie sich übrigens nicht über den Vorwurf, mit anonymen Gegnern einen assymetrischen Kampf zu führen, aus der Affäre ziehen.

Das Rechtsverständnis, das Sie da äußern, finde ich bemerkenswert. Die demokratische Legitimation, von der Sie sprechen, gibt es keinesfalls her, auf Anfragen des Souveräns bezüglich in Zusammenhang mit dem Thema Ihres Blogeintrages stehenden Misständen mit einer derart herablassenden Art zu reagieren wie Sie das tun. Als großer Sympath waren Sie mir zwar ebenfalls nie aufgefallen, aber Ihre Kommentare finde ich geradezu beschämend.
Einen Straftatbestand sehe ich, anders als einer der Kommentatoren, zwar nicht, wohl aber wirklich schlechten Stil.

Es ist keine Lösung, mit den immergleichen Worthülsen darauf hinzuweisen, dass zur Staatsanwaltschaft gehen soll, wer Unrecht durch die Polizei erfahren hat. Wenn Sie glauben, die gegen null tendierende Zahl der Verurteilungen von Polizisten wegen unverhältnismäßiger Gewaltausübung im Dinest sei ein Indiz für deren einwandfreies Verhalten, dann muss ich mir an den Kopf fassen ob Ihrer Realitätsflucht; selbst ich als nicht eben häufiger Stadion- oder Demonstrationsgänger kenne eben nicht nur Berichte von oft nicht nur unnötiger, sondern auch völlig unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch Polizeibeamte. Die Existenz dieses Problems zu verleugnen halte ich für eine Glanzleistung an Realitätsflucht. Ihren mantraartigen Hinweis auf die Staatsanwaltschaft empfinde ich als besonders wenig hilfreich, hätte mir einmal ein maskierter Polizist im Adrenalinrausch die Nase blutig geschlagen, käme er mir gar wie Hohn vor.

Wenn also die Unschuld Ihrer so geschätzten Polizistinnen und Polizisten so einwandfrei feststeht weil es keine Urteile gegen sie gibt, so muss für Sie bei konsequenter Fortführung dieser Logik auch feststehen, dass in den vom Verfassungsschutz jüngst geschredderten Akten gewiss keine für diesen belastenden Informationen enthalten waren – der Beweis ist schließlich nicht zu erbringen.

Sehr wohl aber lässt sich Fehlverhalten von Hamburger Polizisten im Einsatz auf Großveranstaltungen belegen; so sind am Rande eines friedlichen Protestmarsches letzten Herbst mehrere Polizeibeamte dabei fotografiert worden, wie sie illegalerweise die Menge, von der zu keiner Zeit eine Bedrohung ausging, gefilmt, oder wie der Polizeijargon sagt, „videographiert“ haben. Dies scheint auch bei weitem kein Einzelfall zu sein.

Wie auch immer, viel schlimmer finde ich die Unterstellung, damit solle die Verhinderung der Wache im Stadion erkauft werden.
Es ist mir, wenn ich das sagen darf, vergleichsweise egal, wo die nächste Wache ist, und ich weiß, dass Sie das eher in der Bürgerschaft bzw. mit dem Verein besprechen werden, wenn Sie aber keinen Sinn darin sehen, dass die Bürger ihre Meinung kund tun, brauchen Sie sich auch nicht als Demokrat zu bezeichnen – sollen Sie doch deren Meinung vertreten!
Dass man sich Ihnen in Bezug auf Polizeigewalt zuwendet muss Sie doch eigentlich freuen, schließlich erhofften sich einige der Kommentatoren wohl durchaus Konstruktives aus dem Gespräch mit ihrem Innensenator.
Naiv war das, wie sich heraustellen musste.

Dass Sie es angeblich nicht schlimm finden, wenn jetzt jeder Kommentare von Ihnen lesen kann, wie

[..], keinerlei Beweise dafür vorlegen zu können und das dann wieder als Bestätigung kruder Weltverschwörungstheorien heran zu ziehen. Eine vielleicht bequeme, aber falsche Weltsicht. Mein Vorschlag: Werden Sie langsam erwachsen.

Ihnen auf diesem Wege alles Gute.

kann ich an dieser Stelle nur schwerlich glauben.

Das war eine schwache Vorstellung.
Und dass Sie keine Medienberater haben, glaube ich Ihnen aufs Wort. Ich möchte Ihnen außerdem nahelegen, in Zukunft wenigstens die Grundformen der Höflichkeit zu wahren, wenn Sie mit ihren Bürgern sprechen. Es hat nichts mit deutlichen Antworten zu tun, so überheblich daherzureden wie Sie, und so ganz allein bin ich mit meiner Meinung anscheinend auch nicht.

Das Netz vergisst nämlich nicht, die Regeln gelten für Privatpersonen wie für Personen des öffentlichen Lebens.

Update, 4.7., 12:20 Uhr:
Herr Neumann hat offenbar die Kommentare unter seinem Blog gesperrt bzw. sperren lassen.
In der Tat sind die ersten etwa 75 Kommentare nicht mehr direkt einsehbar, über den direkten Link auf einen solchen (wie hinter der einleitenden Boulevard-Überschrift) gehts aber immer noch.
Passt ins Bild, wenn ihr mich fragt.

Update 2, 12:35 Uhr:
Sollte es dazu kommen, dass Neumann bestreitet, derlei Dinge geschrieben zu haben, gibt es hier eine Sicherung.

Schramm kandidiert nicht? Beworben hatte sich aber auch nur Dombrowski

Soeben lese ich, dass Georg Schramm nicht für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren möchte. Als einer der größten Fans dieses Mannes muss ich sagen: Schade!

Dass er sich im weiteren Verlauf des Textes für eine Direktwahl des Präsidenten ausspricht, widerspricht zwar grundsätzlich meinem Empfinden, allerdings begründet er das – wenn auch nicht völlig innovativ – besser als die meisten, die diese Forderung sonst stellen: Auf diese Weise entzöge man die Entscheidung über das höchste Amt im Staate dem Parteienzirkus.

Mich persönlich betrübt seine Entscheidung zwar wie gesagt, allerdings hat Schramm damals auch seine vielbeachtete Kandidatur für das Amt seiner Figur Lothar Dombrowski in den Mund gelegt und nicht als Georg Schramm persönlich geäußert.

Auch wird damit auch Schramms Begründung für seinen Rückzug aus der Anstalt glaubwürdiger: Er hatte ja seinerzeit nach eigener Auskunft durch die regelmäßigen Sendungsvorbereitungen nicht genügend Zeit für die Bühne, die ihm mehr läge als das Fernsehen.

Die hätte er als Bundespräsident natürlich erst recht nicht. Außerdem bleibt er uns ja so auf der Bühne erhalten, was der schöne Aspekt an dieser Nachricht ist.