Getagged: Demonstrieren

Mit Popper gegen Pegida

Man hört nur zu oft die Bemerkung, daß totalitäre Maßnahmen in der einen oder der anderen Form unvermeidlich sind. Zahlreiche Autoren, die man auf Grund ihrer Intelligenz und ihrer Ausbildung als für ihre Aussprüche verantwortlich halten sollte, kündigen an, daß es keinen Ausweg aus dieser Situation gebe; sie fragen uns, ob wir wirklich naiv genug seien, anzunehmen, daß die Demokratie eine dauernde Einrichtung bleiben könne; ob wir nicht sähen, daß sie nur eine der vielen Regierungsformen darstellt, die im Verlaufe der Geschichte kommen und gehen. Sie gebrauchen das Argument, daß die Demokratie, wenn sie totalitäre Methoden bekämpfen will, zu ihrer Nachahmung gezwungen werde und daß sie auf diese Weise selbst totalitär werden müsse. Oder sie behaupten, daß unser industrielles Gesellschaftssystem nicht fortbestehen könne, wenn wir nicht zu kollektivistischen Planungsmethoden greifen; und aus der Unvermeidbarkeit eines kollektivistischen ökonomischen Systems schließen sie auf die Unvermeidbarkeit totalitärer Formen des sozialen Lebens.

Karl Raimund Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde Teil 1, Seite 30

Man ersetze das im Eindruck des kalten Krieges entstandene Beispiel der Industriegesellschaft vs. Planwirtschaft nur einmal durch freiheitliche Gesellschaft vs. muslimischer Gottesstaat, und es wirkt, als habe sogar schon Karl Raimund Popper Pegida vorhergesehen mit all ihren Forderungen nach mehr totalitären Maßnahmen.
Eine andere Lehre, die man daraus ziehen kann, dass ein Text von 1945 heute noch aktuell wie nie ist: Solche Bewegungen gibt es immer, und der Ball liegt heute mal wieder in der Hälfte derer, die Freiheit und Menschlichkeit um ihrer selbst Willen in Ehren halten.
Verehrte Freunde: Es ist an der Zeit, Flagge zu zeigen. Dieser Tage mehr denn je in den letzten Jahren. Lasst andere erkennen, dass ihr euch nicht gemein macht mit Menschen, die auf der Straße u.a. danach schreien, Flüchtlinge aus Gebieten, die von unseren Kriegen zerstört wurden, abzuweisen, andere Religionen als ihre eigene hierzulande zu verbieten und Europa zu einer noch größeren Festung zu machen, als es das ohnehin schon ist.

Geht demonstrieren, mischt euch ein, lasst Unsinn nicht unwidersprochen stehen! Eine Stimmung wie die heutige hat selten dazu geführt, irgendetwas besser zu machen.
Und nehmt nicht hin, dass euer Name unter rechte und neurechte Sprüche geschrieben wird.