Ein Beitrag zum Theorienpool um die Affäre Bild/Wulff

Wenn ich mir das Gebaren unseres (Noch-)Präsidenten, insbesondere in seinem gestrigen TV-Interview so ansehe, dann finde ich den Gedanken nicht besonders einleuchtend, dass er sich der Komplikationen nicht bewusst gewesen sein soll, die seine scheinbar offensichtliche Lüge im Zusammenhang mit dem Inhalt seiner Mailboxhinterlassenschaften bedeutet hätte.

Er muss doch schlicht gewusst haben, dass BILD eine solche Steilvorlage zur Auflagensteigerung nicht ungenutzt wird verstreichen lassen. Die gedankliche Alternative also ist, dass ein Mann, der nur bis zum nächsten Morgen planen kann, es bei uns bis ins höchste Amt geschafft haben soll, beziehungsweise ebendieser unter einem geradezu desaströsem Realitätsverlust leidet.

Oder?

Ich sehe eine dritte Möglichkeit, die aber natürlich auch nicht mehr ist als die wilden Spekulationen verganener Tage in Bezug auf den Wahrheitsgehalt diverser Wulff-Aussagen.

Was nämlich, wenn Wulff gar nicht gelogen hat, bei Diekmann also wirklich nur einen Aufschub erbitten wollte?

Die BILD könnte hier einfach hoch pokern und das Vorhandensein einer kompromittierenden Nachricht auf Diekmanns Mailbox nur vortäuschen. Warum sonst sollte sie auch erst die Frage nach Wulffs Einverständnis vorausschicken, und dazu auch noch öffentlich, anstatt in diesem bereits hinreichend aufgeheizten Klima gleich den konkreten Inhalt der Nachricht zu veröffentlichen? Öffentlichkeit hat der Fall jetzt bereits mehr als genug. Dass Wulff eventuell allerdings noch Trümpfe gegen Springer in der Hand hält, glaube ich noch nicht einmal so lange wie dieser sich selbst.

Auf einmal ergäbe das Verhalten Wulffs, so ungern ich das sage, Sinn, denn die letzte Gelegenheit zum Rückgewinn eines letzten Restes Glaubwürdigkeit so leichtfertig auf Kosten von relativer Ruhe bis zur nächsten Aktion der Presse zu verspielen traue ich auch ihm nicht zu.

Seine Glaubwürdigkeit ist ruiniert, BILD steht da in diesem Falle deutlich besser da. Niemand glaubt Wulff jetzt noch, der Inhalt der Nachricht sei nur die Bitte um Aufschub gewesen, und vielleicht legt man es im Hause Springer nämlich darauf an, um die Veröffentlichung der Nachricht selbst oder ihres Transkriptes herumzukommen, weil Wulff sich selbst bereits genügend demontiert hat und die bloße Andeutung, es sei um etwas anderes als Aufschub gegangen, bereits alles sagen könnte.

Wie gesagt, das ist bloß eine Theorie, und die Realität wird sie womöglich falsifizieren, spätestens, wenn die echte Audiobotschaft Wullfs auf Diekmanns Mailbox im Netz landet.

Aber bis dahin darf man ja vielleicht ein bisschen grübeln und bisweilein auch spinnen.

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